Die Jakobuskirche und Pfarrei Wankheim

 

*Quelle:

im Wesentlichen  nach den Forschungen von Prof. Dr. J. Seubert, wie sie im „Sondergemeindebrief 2007 – 50 Jahre gemeinsames Pfarramt Wankheim-Jettenburg“ von den Herausgebern H. Brodbeck und N. Poreski  dargestellt wurden, zusammengefasst  von Ch. Eppler unter Miteinbeziehung von folgender weiterer Literatur: 

- Beschreibung des Oberamts von 1867

- Kreisbeschreibung „Der Landkreis Tübingen“ von 1972 Bd. II

- M. Brecht/H. Ehmer, Südwestdeutsche Reformationsgeschichte, Stuttgart 1984

- F.G. Hüttenmeister, Der jüdische Friedhof Wankheim,Tübingen 1995

 

 

Kirchengebäude

1439 Erwähnung einer kleinen Kapelle in Wankheim (Flur-/Straßenname „Käppele“).
Über Jahrhunderte hatte Wankheim kirchlich als Filiale zu Mähringen gehört und besaß am Ort nur diese kleine Kapelle. 

1489 Der Bischof von Konstanz genehmigt den Antrag Georgs auf eine eigene Kaplanei in Wankheim;

Stiftung auf den Altar zu Ehren der Heiligen Jungfrau und des Heiligen Jakob d.Ä.

1498 Vermutliches Weihejahr der neuen Kirche mit Übertragung des Jakobs-Patrozinium vom Altar auf die Kirche.

 

Aus der Bauzeit sind der Chor mit seinem schönen Netzgewölbe und die Sakristei bis heute erhalten. Letztere mit ihren dicken Mauern sollte wohl einen Turm tragen, der aber anscheinend nie gebaut wurde. Auf der ältesten Ortsansicht von Wankheim im Kieser’schen Forstlagerbuch (um 1680) zeigt die Kirche nur einen Dachreiter auf dem Westteil des Schiffs, das vom Chor deutlich überragt wird.

 

1760/65    Wankheim geht mit den zugehörigen Höfen Kressbach und Eckhof in den Besitz der Freiherrn von St. André über.

1778        Ein Brand vernichtet Schiff und Turm.

  Die Freiherrn von St. André sorgen  für den raschen Wiederaufbau des abgebrannten Kirchenschiffs (Zitate aus der Chronik von Wankheim: „1780 Kirche gebaut, danach große Glocke gegossen")

1780/81         Es wird also an den verbliebenen Chor  das heute noch benutzte Kirchenschiff  angefügt - größer als das alte und mit einem schlichten Turmaufsatz im Westen; Barockisierung. Wohl schon damals wurde diesem der uns heute wohlvertraute Turmhelm aufgesetzt.

19. Jhdt.        Die Kreisbeschreibung des Oberamtes Tübingen (von 1867) erwähnt besonders die Kirchendecke des Schiffs: „Eine flache mit dem großen Saint André’schen Wappen bemalte Holzdecke“ und die vielen Emporen der Kirche.

Bei der offiziellen Trennung von bürgerlichem und kirchlichem Vermögen 1892 kommt  das Wankheimer Gotteshaus in den Besitz der Evangelischen Kirchengemeinde.

1899            Innenrenovierung

1949            Kriegsschäden nach Bombenabwurf in der Nähe und Infanteriebeschuss werden beseitigt - an Turm, Dach und Verputz.

 

1957/58        Innenrenovierung mit wichtigen Umgestaltungen:

Chorraum:                Die baufällige Orgel und die Emporen werden entfernt. Im spätgotischen Chorgewölbe wird die ursprüngliche Bemalung mit Lilien und Flammen wieder freigelegt. Der Gesamteindruck der Kirche gewinnt durch die wieder frei gewordene Sicht auf die Chorfenster. Bis dahin waren nur die beiden mittleren und das auf der rechten Seite vorhanden. Ergänzend wird in die bisher „blinde“ Nordostecke ein vierter Fensterrahmen mit etwas anderem Maßwerk, aber in der Größe passend, eingebaut. Er stammt aus der Kirche von Grafenberg.

Nach Entwürfen der siebenbürgischen Künstlerin Grete Csaki-Copony erhalten die drei zentralen Fenster durch farbig gestaltete biblische Darstellungen ein neues Aussehen und ihre bis heute so eindrucksvolle Wirkung.

Empore:        Die obere Empore im Schiff in der Nordostecke zum Chor über dem Seiteneingang muß der neuen Orgel weichen, die kunst- und mühevoll auf der unteren Empore eingepasst wurde.  Die  Empore wird durchgehend  mit einer Brüstung aus  Lärchenholz  verblendet.

Kanzel:          Den Aufgang zur Kanzel verlegt man vom Chor an die nach Süden weisende Wand imKirchenschiff. 

Kruzifix:         Den zuvor bei der Kanzel aufgehängte Kruzifix richtet man an seinem heutigen Standort im Chorraum auf.

Altar:            Auf einem Sockel wird ein neuer aus Gönninger Tuffstein gearbeiteter Altar aufgestellt.

Taufstein:      Der jetzige - vermutlich aus dem Mittelalter stammende Taufstein-  links vor der Stufe zum Chorraum ersetzt den bis dahin verwendeten neugotischen.

Fußboden:    Der ganze Chorraum und der Gehbereich des Kirchenschiffs werden mit einem neuen Bodenbelag aus Solnhofer

Platten versehen.

Türen:           Der südliche Nebeneingang wird zugemauert, die Außentüre aus denkmalpflegerischen Gründen aber belassen.

 

Kircheninnenraum vor Renovierung 1957

 

1973-75        Außenrenovierung:

Die Kirche erhält ein neues Dach, der Turm eine kupferne Ummantelung und sein Helm neue  Ziegel.  Zifferblatt und Turmhahn wurden  frisch vergoldet, innen Einbau eines automatischen Uhrwerks. Der Staffelzugang zur  Sakristei auf der Nordseite wird entfernt und mit dem des Seiteneingangs ins Kircheninnere daneben vereint, eine neue Türe dorthin durchgebrochen.

1985             Der Haupteingang der Kirche  im Westen erhält ein Schleppdach als Regenschutz.

1996/1997     lnnenrenovierung:

Risse in der Decke und besonders in der Südostecke des Kirchenschiffes und der übliche Alterungsprozess führen 1996/97 zu einer neuerlichen Innenrenovierung.

Über der Decke des Kirchenschiffs müssen die Balken der Dachkonstruktion neu gesichert werden, um das Gewicht des Daches  künftig besser auffangen zu können.

Über die gesamte Länge der Kirche wird unter dem Dach ein Bretterboden verlegt. Im Kirchenschiff stehen die neuen Bänke mit den Wangen der alten auf einem modernen Parkettboden. Unter ihnen - wie auch im Chorrund - sorgt ein neues Heizungssystem für die notwendige Wärme in kalten Zeiten.

Die Stützen für Turm und Empore werden aus ihrer Holzverschalung gelöst und durch kräftiges Grau und Rot farblich hervorgehoben.

Unter der Empore schmücken die von ihrem Gipskorsett befreiten alten Tragebalken den wieder etwas höheren und freieren Eingangsbereich.

Die bisherige, völlig geschlossene Emporenbrüstung aus stark nachgedunkeltem Lärchenholz wird durch eine leichtere, in ihrer Farbgebung auf Kanzel und Bänke abgestimmte Konstruktion aus Holz und Edelstahl ersetzt.

Der Aufgang zur Empore wird im selben Stil erneuert und im Interesse größerer Sicherheit gleichzeitig verbreitert.

Ein zwölf-strahliger Rundleuchter zwischen Chor und Empore und kleine Niedervolt-Lampen über und unter der Empore verstärken den Eindruck eines leichter und lichter gewordenen Raumes.

Die dunkelfarbenen Keramikplatten der Wände des Schiffs sind - bis auf einen kleinen „Erinnerungsrest“ in der Südwestecke - leicht getöntem Weiß gewichen.

Schätze werden gehoben: Beim Entfernen einer Gipsschicht im Chorraum kommen 9 (von einst 12) Weihekreuze zum Vorschein, an der linken Wand eine Sakramentsnische. In der Sakristei wird in der Ostwand eine Nische mit einem Ausgussbecken und einem Haken zum Aufhängen eines Wasserbehälters für das einstige Reinigen der sakramentalen Geräte  freigelegt.

Der Kirchengemeinderat entschied sich für die Erhaltung und restaurative Sicherung all dieser „Fundstücke“, wie auch für eine konservierende Behandlung des Kruzifixes und die Auffrischung der Farben im Wappenfeld des Chorgewölbes.

Die Orgel wird gereinigt, generalüberholt und klanglich verbessert.

Die drei Epitaphe früherer Ortsherrschaften werden gereinigt und frei schwebend in den Wänden von Chor (2) und Schiff (1) verankert.

Das Schleppdach des Haupteinganges wird  durch einen gläsernen Windfang ersetzt.

Am 28. September 1997 wird das 500-jährige Bestehen der Wankheimer Kirche in dem innen in neuem Glanz strahlenden Gotteshaus mit einem festlichen Gottesdienst gefeiert. Leider musste die ebenfalls notwendige Außenerneuerung des Kirchengebäudes aus finanziellen Gründen in eine hoffentlich nicht zu ferne Zukunft verschoben werden.

Zur Erhaltung der Wankheimer Kirche für nachfolgende Generationen wird im Jubiläumsjahr 2011 ein Förderverein zur Erhaltungder gotischen Jakobuskirche Wankheim gegründet.

 

 

Ein Rundgang durch die Wankheimer Kirche

 

Chor

Als ältester Teil der Kirche birgt er unter seinem schönen spätgotischen Netzgewölbe eine ganze Reihe von Sehenswürdig keiten.

Die 3 Wappen im Schlussstein erinnern, wie das Wappen über der niedrigen Pforte zur Sakristei  an den Stifter der Kirche, Georg von Ehingen.

Die gemalten Flammen um die Gelenkstellen des Gewölbes und die Lilienornamente stammen wohl ebenso aus der Bauzeit des Chors wie die Weihekreuze (Symbole für die 12 Apostel).

 

 

 

Sakramentsnische

In der wieder sichtbaren Sakramentsnische, dem früheren Tabernakel, haben die Abendmahlsgeräte einen würdigen Platz gefunden.

 

 

 

 

 

Kruzifix

                                                                        Es beherrscht den Chorraum. Früher nahm man an, dass es aus 16. Jahrhundert stammt, inzwischen wird es ins 17. Jahrhundert datiert.

 

 

 

Weihekreuze

 

 

 Altar

                                                                                                Zwischen Kreuz und Schiff steht auf einem Sockel - wie ein ruhender Pol - der schlichte Altar aus Kalktuff.

 

 

 

 

 

Die Epitaphe

Links der Sakristeitüre hängt der älteste von drei Epithaphen.

Die noch gut lesbare Inschrift lautet:

AVF DEN 19 MARTY (März) ANNO 1673 STARB DAS EDELL VND TVGENTSAM ÍVNCKHFRAVWLIN FRONICA MEGENTZRIN VON FELDORFF DEREN SELL BEY GOT IM FRIDEN RVOWENT. AMEN“.

 

Direkt gegenüber an der Südwand steht das Denkmal der Juliana Ernestina von Senfft, geborene Freiin von St. André, *10.7.1750 in Königsbach, gest. 4. Juni 1775 in Stuttgart.

 

 

Die Chorfenster

Sie haben eine ungemein belebende Wirkung auf die ganze Kirche. Besonders in den Strahlen der Morgensonne entfalten sie ihre  farbenfrohe Leuchtkraft, die sich wie ein bunter Teppich über den Innenraum breitet. Froh ist auch die Botschaft der drei Gleichnisse Jesu, die hier dargestellt sind:

Das linke Fenster zeigt das Gleichnis vom Verlorenen Sohn (nach Luk. 15).

In drei Szenen sehen wir von unten nach oben: die Ein- und Umkehr des Sohnes.

 

                          Das rechte Fenster stellt das Gleichnis von den fünf klugen und den fünf törichten Jungfrauen dar (Matth.24): im Dunkel bleiben die Törichten, himmlisches Licht umhüllt die Klugen.

 

 

 

 

Das mittlere Fenster erzählt das Gleichnis vom königlichen Hochzeits- oder großen Abendmahl (Matth. 22/Lukas 14), zu dem viele geladen waren, aber manche nicht kommen wollten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Künstlerin, Grete Csaki-Copony

(Mutter der „Gölzschen Vikarin Brigitte Csaki) fand bei Kriegsende freundliche Aufnahme im Pfarrhaus Wankheim.

Ihr Entwurf für  die neuen Farbfenster anl. der Innenrenovierung von 1957 ist sichtbarer Ausdrucks ihrer Dankbarkeit.

 

 

Kirchenschiff (seit 1780/81)

 

Der Orgelprospekt und der zwölfstrahlige Leuchter schweben erhaben vor dem breiten Chorbogen über dem Kirchenraum .

 

 

 

Der feingliederige Leuchter

erinnert mit seinen 12 Lampen an die 12 Tore des himmlischen Jerusalem (Offb. 21,12)

 

 

 

 

Die Orgel

Die Orgel ist in ihrer Konstruktion ein kleines Kunstwerk für sich.

Dem schlesischen Orgelbaumeister Werner Renkewitz standen 1957 längst nicht alle nötigen Bauteile fertig zur Verfügung. In mühevoller Kleinarbeit bastelte er in seiner Nehrener Werkstatt das Instrument aus 900 Pfeifen in 11 Registern zusammen, darunter 1 Cornett-Positiv, mit 1 Manual und mechanischer Traktur. Leider war es sehr wetter- und temperaturabhängig. An der Disposition der Orgel war der Orgelsachverständige Hauptkonservator Dr. Walter Supper beteiligt.

Seit der Generalüberholung 1997 durch die Rosenfelder Orgelbaufirma Wolfgang J. Braun entfaltet die Orgel wieder ihren vollen Klang in den Gottesdiensten und bei Konzerten. 

 

 

 

Der Taufstein

Der schlichte Taufstein unbekannter Herkunft fand sich 1957 im Pfarrgarten und erfüllt seitdem wieder seine ursprüngliche Aufgabe.

1997 bekam er ein neues Taufbecken.

 

 

 

 

 

 

Die Kanzel

Sie ist in Konstruktion und Farbgebung das Werk Wankheimer Handwerksmeister und passt gut zum Gesamtbild des Kirchenraumes. Sinnfällig vermittelt sie zwischen oben und unten. Von ihr soll der Gemeinde die frohe Botschaft gepredigt werden.

 

 

 

Die Bankreihen

zeigen eine gelungene Kombination aus den Wangen der alten Kirchenbänke mit modernen, heizbaren und auch bequemeren Sitzbänken. Sie stehen auf einem neuen Stabparkettboden. Dazwischen recken sich drei schlanke, rotbraun gestrichene  Stützpfeiler zur Empore, und die beiden kräftigen, grauen Tragebalken ragen bis zum Turmaufbau hoch. Orgel und Empore prägen Nord- und Westwand des Schiffs. Ihre neue Brüstung lässt letztere zum Kirchenraum hin offener erscheinen. Die Sitzreihen steigen wie in einem Hörsaal an.

 

 

Sakristei

Ob ihre dicken Mauern je einen Turm trugen, ist fraglich, unstrittig aber, dass sie aus der gleichen Zeit wie der Chor stammt.

Vielleicht hat sie zeitweilig als Taufkapelle gedient.

Ein Eintrag im Totenbuch der Pfarrei von 1671 belegt ihre Nutzung als Grablege für Baron Moritz Friderich von Closen, Opfer eines Jagdunfalls.

 

Ein Kleinod stellt der farbige Christuskopf als Schlussstein in dem einfachen Deckengewölbe dar.

Er soll der Abbidung von Jesu Antlitz auf dem Schweißtuch der Veronika ähneln.

 

 

 

In der Ostwand der Sakristei fand man 1997 eine Lavabonische mit einem Haken für ein Wassergefäß zum Reinigen der Sakramentsgefäße.

 

 

 Der Glockenturm

 

Mit seiner geschwungenen Haube aus lasierten Farbziegeln auf einem nicht sehr hohen quadratischen Unterbau mit den  schmalen Schall- löchern und den Zifferblättern der Uhr, die sich gut sichtbar vom dunkelfarbenen Blechschutzmantel abheben, birgt der Turm seit Oktober 1950 ein Dreiergeläute der Stuttgarter Glockengießerei Kurtz.

    Die Glocken lassen bei ihrem Läuten mit ihren Tönen b’, des’’ und  es’’ das Tedeum-Motiv erklingen: „Herr Gott, dich loben wir!“

        Ihre beiden Vorgängerinnen, die größere von 1780 musste für Kriegszwecke, eingeschmolzen werden, die kleinere für den Guss der neuen.

 

 

 

 

Zur Bedeutung des Ritters Ritter Georg I. von Ehingen (1428-1508)

1428               geboren auf Burg Hohenentringen

Seine ritterlichen Aufgaben führten ihn ins Heilige Land, nach Frankreich, Spanien, Portugal und Nordafrika; England und Schottland.

1458               Rückkehr in die Heimat.

In der Folgezeit erscheint er nun unter den Räten Graf Eberhards im Bart, dem er in zahlreichen wichtigen Ämtern diente, u. a. als       Landvogt von Mömpelgard (Montbéliard), als Brautwerber in Mantua (Bewerbung Eberhards um Barbara Gonzaga 1474) und als Obervogt in Tübingen (Verhandlungen mit der Stadt im Zuge der Universitätsgründung 1477). Seine Standesgenossen vertrat er als Hauptmann der Rittergesellschaft vom St. Jörgenschild (Georgenschild) und in dem zur Wahrung des Landfriedens geschlossenen Schwäbischen Bund.   

Im Kreis seiner niederadeligen Standesgenossen wurde Georg v. Ehingen sehr geschätzt wegen seiner Weltläufigkeit und politischen Erfahrung. Diese Eigenschaften führten ihn auch in den Kreis bedeutender Persönlichkeiten, die Eberhard im Bart herangezogen hatte, um seine Grafschaft (das spätere Herzogtum) Württemberg zu reformieren und zu festigen.

1458/59         Kilchberg als Rittergut kommt in den Besitz des Georg v.Ehingen.

1462               Verheiratung mit der vermögenden Bürgerstochter Anna Ülin (Yelin) aus Reutlingen. Die Eheschließung erregt damals Aufsehen. Um den Kindern Nachteile aus dieser unstandesgemäßen Ehe zu ersparen, erlangt Georg  aber später (so wird vermutet) die Rechte des aussterbenden Adelsgeschlechts „von Richtenberg“ für seine Frau, die dann das Wappen dieses Geschlechts führte, einen steigenden Löwen im schwarz und gold geteilten Schild. Aus der Ehe gingen 8 Söhne und 6 Töchter hervor.

1482               Der Ort Wankheim geht an den damaligen Tübinger Obervogt Georg v. Ehingen,  womit Wankheim ritterschaftlich wurde. Möglicherweise war es  das Erbe seiner Ehefrau Anna Ülin/von Richtenberg, welches  Georg von Ehingen  den Erwerb des Härtenortes  Wankheim ermöglichte.

 

 

In den folgenden Jahren fungierte Georg von Ehingen nun nicht nur als Ortsherr von Wankheim, sondern wurde zugleich zum Bauherrn der Wankheimer Kirche.  Über der vom Chor zur Sakristei führenden Tür ist das Wappen der Herren von Ehingen sichtbar: ein goldener (Dach-) Sparren auf schwarzem Grund.

Mit dem neuen Ortsherrn hatte das Dorf kein schlechtes Los gezogen, wie u.a. dessen Bemühungen um eine bessere kirchliche Versorgung seiner Untertanen zeigen.

1489               Georg von Ehingen stiftet eine Kaplanei, so dass Wankheim, das bisher von der Mutterpfarrei Mähringen aus  betreut wurde, einen eigenen Geistlichen anstellen konnte.

1497/98         Der Patronatsherr Georg veranlasst  die Errichtung einer größeren Kapelle (Chor und Sakristei der heutigen Kirche) wofür er Clas (Klaus) Binder als Baumeister gewann, der am südöstlichen Stützpfeiler des Chors unter der gotischen Jahreszahl 1497 sein Steinmetzzeichen hinterlassen hat. (Im Anschluss an den Wankheimer Auftrag leitete Binder den Bau der Mauritiuskirche  in Betzingen). Die Wankheimer Kirche gehört damit in den Kreis der zahlreichen  gotischen Um- und Neubauten, die der Frömmigkeit und dem Stiftungseifer der spätmittelalterlichen Menschen zu verdanken  sind.

 

An den Bauherrn der Kirche erinnert heute - neben dem Wappen über der Sakristeitür - der Schlussstein im Chorgewölbe, der die Wappen der Eheleute „von Ehingen“ und „von Richtenberg“ zeigt, dazu das Georgskreuz, das Zeichen seines Namenspatrons und des Patrons der Reichsritter. Das „Allianzwappen“ (Ehewappen) „Ehingen/Richtenberg“ findet sich im Übrigen auch in der südöstlichen Kapellennische der Tübinger Stiftskirche und unterstreicht damit noch einmal das damalige Ansehen der Familie.

1508            Georg von Ehingen stirbt im Jahre 1508 und wird neben seiner Frau in der später abgebrochenen Anna-Kapelle der Kilchberger Kirche beigesetzt.

Die religiösen Erschütterungen, die die Menschen seit dem Auftreten Martin Luthers bewegten, hat Georg nicht mehr erlebt. Sein Kirchenbau hat aber auch der Mitte des 16. Jahrhunderts evangelisch gewordenen Gemeinde als würdiger Gottesdienstraum gedient.

 

Aus der Geschichte von Pfarrei und Kirchengemeinde

Mittelalter                 Zusammen mit Immenhausen, Jettenburg und Ohmenhausen gehört Wankheim zum Kirchspiel Mähringen mit seiner 1275 erwähnten Pfarrkirche St. Stephan. Dort war der zuständige Geistliche, dort war das Zentrum des geistlichen Lebens dieser kleinen Orte auf den Härten, von der Taufe bis zur Beerdigung auf dem Mähringer Friedhof.

 

1534                           Durch die Einführung der Reformation im Herzogtum Württemberg 1534 wird  die zum württembergischen Territorium gehörende Pfarrei Mähringen evangelisch. Der Wankheimer Ortsherr Georg II. von Ehingen zögert es hinaus, diesen Schritt ebenfalls zu vollziehen. Darauf ist vermutlich die Umwandlung der Wankheimer Kaplanei 1535 in ein Vikariats-Pfarramt zurückzuführen. Oder ist erst 1559, nachdem der Augsburger Religionsfriede von 1555 auch den Reichsrittern das Reformationsrecht zugestanden hatte, auch Wankheim evangelisch geworden? (Das Datum der Einführung der Reformation wird derzeit erforscht)

 

 

 

1784                          Über die weitere Entwicklung heißt es in einer Quelle, dass Wankheim 1784 eine selbständige Pfarrei wurde, was wohl damit in Zusammenhang steht, dass Wankheim mit den zugehörigen Höfen Kressbach und Eckhof seit 1760/65 den Freiherrn von St. André gehörte.  

 

 

1785                          Erstes Begräbnis auf dem eigenen Wankheimer Friedhof (Lage: heutiger Spielplatz Ecke Käppele/Heerstraße). Zitat aus der  Chronik von Wankheim:  1782 unser Begräbnis in Mähringen auskauft und bei uns einen neuen Gottesacker gemacht“.

 

 

 

 

Exkurs:

Die Jüdische Gemeinde Wankheims

Die neue Herrschaft derer von St. André hatte gegen die damals übliche Entrichtung von „Schutzgeld“ es einigen jüdischen Familien gestattet, in Wankheim zu wohnen und von hier aus ihrem Broterwerb nachzugehen. Die Familien lebten ursprünglich vom Handel mit Trödelwaren, später vom Handel mit Vieh, Hopfenstangen („die …Israeliten  versorgten… die ganze Gegend mit Hopfenstangen) und anderen Waren, teilweise auch von der Landwirtschaft. Über einen Zeitraum von ca. 100 Jahren (1775 bis 1882) koexistierten also im Dorf christliche und jüdische Gemeinde.

An jüdischen Einrichtungen bestanden ein vorläufiger Betsaal in einem der gemieteten „Judenhäuser“, später ab 1835 eine  Synagoge (feierliche Einweihung am 15. Oktober 1835, dem letzten Tag des Laubhüttenfestes), eine Religionsschule (seit 1827), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert zeitweise ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war.  1832 wurde die Gemeinde dem Bezirksrabbinat Mühringen zugeteilt.

Der Standort der Synagoge war auf dem Grundstück zwischen den heutigen Häusern Heerstraße 1 und 7.  Abbildungen sind nicht bekannt, die Kreisbeschreibung von 1867 beschreibt das Gebäude als „in einfachem Rundbogenstil aus Holz errichtet.“

Lange sollte das unter viel Aufwand erbaute Gebäude nicht als Gotteshaus dienen. Ab 1850/60 verzogen mehrere Familien in umliegende Städte (vor allem nach Tübingen, aber auch Reutlingen, Nürtingen, Stuttgart). Im Mai 1882 wurde dann von der „Israelitischen Oberkirchenbehörde“  beschlossen, den Sitz der die Wohnorte Wankheim, Reutlingen und Tübingen umfassenden jüdischen Gemeinde nach Tübingen zu verlegen. Kurz zuvor war schon der Abbruch der Wankheimer Synagoge und der Bau einer neuen Synagoge in Tübingen von der Oberkirchenbehörde genehmigt worden. Nachdem am Schabbat, dem 8. April 1883 ein feierlicher Abschiedsgottesdienst in der Synagoge in Wankheim stattfand, wurde diese abgebrochen und mit dem Bau der neuen Synagoge in Tübingen begonnen.

 

Von den in Wankheim geborenen jüdischen Personen sind vier Menschen in der NS-Zeit ermordet worden:

 

die drei Schwestern Lina Bloch geb. Liebmann (geb. 1876 in Wankheim, 1944 Auschwitz, für tot erklärt), Julia Krämer geb. Liebmann (geb. 1877 in Wankheim, im KZ ermordet) und Sofie Löwenstein geb. Liebmann (geb. 1879 in Wankheim, 1944 Auschwitz, für tot erklärt) sowie  Salomon Spiro (geb. 1859 in Wankheim, 1942 Theresienstadt, hier 1943 umgekommen).

 

 

 

 

 

Sofie Löwensteins Enkel A. Löwenstein und seine Ehefrau 2009 am Gedenkstein auf dem Wankheimer Jüdischen Friedhof

 

 

Pfarrhaus                 Den Ortsherren gehörte auch das Pfarrhaus in der „Unteren Gaß“, direkt neben Zehntscheuer und Vogteihaus (beide 1944 bei Luftangriff abgebrannt).

In seiner heutigen äußeren Gestalt wurde es nach vierjähriger Umbauzeit 1820 fertiggestellt.

 

Patronat                   Der Einfluss und das Mitspracherecht der Patronatsherrschaft, z.B. bei der Besetzung der Pfarrstelle, endeten erst 1955 mit dem Tod des letzten dazu „Berechtigten“ (diese Rechte durften nach 1918 nicht weitervererbt werden).

 

Pfarrei                       So war die Kirchengemeinde Wankheim seit 1784, also schon über 270 Jahre lang, eine eigenständige Pfarrei innerhalb der Württembergischen Evangelisch-Lutherischen Landeskirche, ehe sie durch Erlass des Oberkirchenrates zum 1.9.57 zum Pfarramt Wankheim-Jettenburg erweitert wurde.

 

Über 30 Namen verzeichnet die Liste der Pfarrer, die am Ort gewirkt haben.

Die Pfarrer der Kirchengemeinde Wankheim seit 1534

1.  Nikolaus Schuch (Stich?)                                         - 1534

  Pfr. Nikolaus Schuch (Stich) von Mähringen  erklärte sich am 28.9.1534 in Tübingen

zur Übernahme der Reformation bereit.

   ab 1535 Vikariats-Pfarramt –  Einführung der Reformation (vermutlich) 1535

2. Johannes Schwegerlin                                     1535 – 1543

3. Peter Mayer                                                         1543 - 1562

4. Georg Fleck                                                        1562 - 1596

5. Georg Wuchter                                                   1596 - 1597

6. Johann Erhard Cellius                                     1597 - 1605

7. Erhard Agricola                                                   1605 - 1622

8. Christian Erhard                                                            1622 - 1635

9. Ludwig Kleinschmid                                         1636 - 1644

10. Heinrich Schumm                                           1644 - 1651

11. Jacob Bäurlin                                                   1651 - 1659

12. Justus Wilhelm Tulla                                      1659 - 1667

13. Joachim Erich Turban                                    1668 - 1693

14. Christoph Peter Kuhorst                                1693 - 1701

15. Johann Ludwig Linckh                                              1701 - 1711

16. Jakob Friedrich Bossert                                  1711 - 1749

17. Bartholomäus Adam Schmid                                   1749 - 1757

18. Geord Michael Eisenbach                             1757 - 1781

19. Johann Christian Klaiber                               1781 - 1799

ab 1784 selbstständige Pfarrei

20. Daniel Christian Hauff                                               1799 - 1817

21. Sixtus August Malblanc                                 1819 - 1839

22. Friedrich Vogt                                                   1840 - 1847

23. Wilhelm Friedrich Pressel                             1847 - 1874

24. Theodor Immanuel Stolz                               1874 - 1892

25. Ernst Christoph Kraft                                      1893 - 1935

26. Gustav Richard Gölz                                       1935 - 1945

       Brigitte Csaki,  Vikarin/Pfarrverw.                 1943 - 1945

27. Friedrich Albert Vorster                           1945/47 - 1960

                           seit 1. 9. 1957 gehört Jettenburg zur Pfarrei Wankheim

Die gemeinsamen Pfarrer von Wankheim und Jettenburg seit  1957

1. Friedrich Albert Vorster                                     1945/47         -  Jan. 1960

2. Hermann Kuhn                                                  01.09.1960 - 31.10.1977 

3. Henning Frank                                                   19.03.1978 - 07.10.1979

4. Karl-Heinz Schlaudraff, Pfarrvw.                    07.09.1980 - 30.09.1981

5. Volker Teich, Pfarrverw.                                    01.10.1981 - 31.03.1982

6. Albrecht Fetzer                                                    01.04.1982 - 30.04.1991

7. Frieder Held                                                        01.10.1991 - 30.04.2005

8. Christine Eppler u.  Dr. Matthias Burger        seit  01.10.2005

   (in Stellenteilung)

 

 

An dieser Stelle sei ein Pfarrer besonders erwähnt: Richard Gölz.

In doppelter Weise ist Wank heim über seine Grenzen hinaus durch ihn bekannt geworden:

durch das von ihm verfasste Chorgesangbuch für die evangelischen Kirchenchöre und durch seinen heimlichen Einsatz für verfolgte Juden während der Hitlerzeit

zusammen mit seiner Frau Hildegard Gölz.

 

In Israel ehrt man das Ehepaar deswegen als „Gerechte der Völker“. Wankheim hat den beiden zu Ehren in der Ortsmitte, direkt vor dem Evangelischen Gemeindehaus, einen Brunnen gestiftet und im Jahr 2010 die Straße am Pfarrhaus in  Gölzstraße  benannt.